Biografie und Zeitleiste

Franz Anton Schmider war weit mehr als eine lokale Kuriosität. Sein Leben spiegelt die Geschichte von Handwerk, Keramikproduktion und bürgerlicher Kultur in Zell am Harmersbach.

Leben

Schmider wurde 1817 in Zell am Harmersbach geboren. Seine Eltern arbeiteten im keramischen Umfeld, und schon früh kam er mit der Fabrikarbeit in Berührung. Als Lehrling wurde er vom Fabrikherrn Gottfried Ferdinand Lenz in das Modelleuratelier aufgenommen und gefördert.

Später arbeitete er als Modelleur und Keramikfachmann, entwickelte neue Formen und Modelle und gewann mit seinen Arbeiten Auszeichnungen. Sein Lebensweg verlief wechselhaft: Er wurde reich und wieder arm, verschwand zeitweise, kehrte zurück und blieb dennoch eine prägende Figur der Zeller Stadtgeschichte.

1882 ließ er in Zell eine Familiengruft anlegen. Er starb 1891 in Marbach.

Leistungen

Für die Keramikfabrik, den Vorläufer der heutigen Zeller Keramik, entwickelte Schmider neue Formen und Modelle. Er gehört zu den prägenden Gründergestalten der „Unteren Fabrik“ und stellte seine Produkte auch selbständig aus.

Über das Handwerk hinaus wird ihm soziales Engagement zugeschrieben. Außerdem galt er als begabter Organisator und künstlerischer Kopf von Fastnachtsspielen in Zell.

„Graf Magga“ blieb in Erinnerung, weil sich bei ihm Können, Phantasie und eine außergewöhnliche persönliche Ausstrahlung verbanden.

Zeitleiste 1817–1891

1817

Geburt von Franz Anton Schmider in Zell am Harmersbach.

1830er–1840er Jahre

Ausbildung und Tätigkeit im Bereich Keramik und Modellieren.

1838

Entstehung des Spitznamens „Graf Magga“ nach einem Streich auf einer Reise und dem berühmten „Magga“-Missverständnis.

1854 / 1858 / 1864

Auszeichnungen für keramische Arbeiten und Modelle bei Ausstellungen.

1861

Selbständige Präsentation von Produkten auf einer Gewerbe- beziehungsweise Industrieausstellung.

1869

Finanzierung des ersten Neubaus der Unteren Fabrik in Zell.

1882

Anlage der Familiengruft in Zell am Harmersbach.

1891

Tod von Franz Anton Schmider in Marbach.

Der Name „Graf Magga“

Der Beiname geht auf eine Episode aus dem Jahr 1838 zurück. Schmider gab sich auf einem Ausflug nach Straßburg als höhergestellte Persönlichkeit aus. Bei einer Rast bestellte er „Magga“ statt Malaga-Wein. Die Geschichte sprach sich herum, und aus dem Spitznamen wurde ein Markenzeichen.

Bemerkenswert ist, dass Schmider diesen Namen später mit Charme und Selbstbewusstsein trug. Aus dem Scherz wurde ein Titel der Volksüberlieferung.

Faksimile Der Graf Magga
Faksimile „Der Graf Magga“.